Grippe ist eine Viruserkrankung, die durch Viren vom Typ Influenza ausgelöst wird. Die Grippe manifestiert sich typischerweise als Infektion der oberen Atemwege mit ihren typischen Symptomen (Schnupfen, Husten) und wird von Fieber, sowie Kopf- und Gliederschmerzen begleitet.
Im Volksmund wird oftmals schon eine einfache Erkältung (grippaler Infekt) als Grippe bezeichnet, bei einer "echten" Grippe handelt es sich jedoch um eine wesentlich schwerere, wenn auch nicht seltenere Erkrankung, die zumeist plötzlich, oft aus völligem Wohlbefinden heraus, einsetzt, während eine Erkältung eher schleichend beginnt. Zudem werden beide Erkrankungen von verschiedenen Erregern verursacht.
Die Grippe ist vorrangig eine Erkrankung der Atemwege, meist einhergehend mit großer Abgeschlagenheit, allgemeinem Krankeitsgefühl, das sich in Kopf- und Gliederschmerzen manifestiert, sowie hohem Fieber. Der Schweregrad der Erkrankung ist abhängig vom Immunstatus des Patienten sowie vom genauen Virustyp, zwischen 7 und 14 Tage liegt der Patient in der Regel flach.
Historische Fotos und Reproduktionen zur Grippe in Europa. Symbolische Fotos, 3D Illustrationen und Grafiken, Modelle der Erreger als gerenderte Grafiken und Influenzaviren in der Bilddatenbank.
Bei den Influenza-Viren werden verschiedene Typen unterschieden. Typ A führt zu seuchenhafter Ausbreitung, Typ B zu sporadischen Erkrankungen (gelegentlich auch Epidemien), Typ C ist epidemiologisch unbedeutend. Es handelt sich um ein RNA-Einzelstrang-Virus mit Lipoidaussenhülle, das in Kugelform (Ø 80-120 nm) oder auch Fadenformen auftritt. Sie sind in Hühnerei und Zellkulturen, sowie Tierversuchen anzüchtbar. Ein Nachweis ist unter anderem durch Hämagglutinationshemmung, und Neutralisationstest möglich. Bei Typ A findet ein dauernder Wechsel des Antigenmusters (»Antigendrift«) statt, was eine Anpassung des Immunsystems extrem erschwert. Virulente Stämme, die zum Beispiel in Europa auftreten, sind H3N2 und H1N1.
Eine die ganze Welt umfassende Epidemie wird auch als Pandemie bezeichnet. Influenza-Pandemien traten in der Vergangenheit alle 10 bis 40 Jahre auf. Bis zu 50 % der Bevölkerung infizieren sich dabei mit dem Grippe-Virus und eine Pandemie kann Millionen Todesopfer fordern.
Nur Influenza A-Viren rufen Pandemien hervor. Wenn eine Zelle gleichzeitig mit einem Grippe-Virus vom Mensch und vom Vogel infiziert wird, können die beiden Viren ihr Erbgut untereinander austauschen. Man spricht dann von einem Antigensprung oder "Antigenshift". Weil Schweine sowohl von Influenza-Viren des Vogels, als auch des Menschen infiziert werden können, findet eine solche Durchmischung meist im Schwein statt. Wenn dabei ein Virus mit völlig neuartigen Erkennungsmerkmalen von Hämagglutinin oder Neuraminidase entsteht, spricht man von einem neuen Virus-Subtyp. Das Abwehrsystem des Menschen kommt erstmalig mit diesem vollständig veränderten Virus in Berührung. Weil die Bevölkerung überhaupt keinen Immunschutz gegen das Virus hat, kann es sich rasch über die ganze Welt ausbreiten. Pandemie-Viren haben ihren Ursprung häufig in Asien, wo Menschen, Geflügel und Schweine auf engem Raum zusammenleben.
Grippe-Pandemien traten vermutlich schon in früheren Jahrhunderten auf. Im 20. Jahrhundert gab es 3 schwere Pandemien, wobei die schlimmste Pandemie von 1918/1919 als "Spanische Grippe" in die Geschichte einging.
Sie wurde durch das Influenza-Virus A/H1N1 ausgelöst. Vermutlich erlagen ihr weltweit 20 bis 50 Mio. Menschen. In Deutschland starben damals etwa 100 000 Menschen an der Influenza und ihren Folgen. Die Pandemie von 1957/1958 ("Asiatische Grippe"; A/H2N2) forderte ca. 1 Mio. Todesopfer, die Pandemie von 1968/1969 ("Hongkong-Grippe"; A/H3N2) tötete mehr als 800 000 Menschen - alleine in Deutschland starben je 20 000 bis 30 000 Menschen.
Eine Empfehlung für die Impfung gilt vor allem für Risikopersonen (Säuglinge, alte Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem), Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Personen, die häufig mit Kranken in Kontakt kommen.
Das Risiko für gesunde Säuglinge und Kleinkinder, während der Grippesaison aufgrund von Erkrankungen des Atemtrakts in ein Krankenhaus aufgenommen werden zu müssen, ist ähnlich hoch wie bei erwachsenen Hochrisikopatienten oder bei Älteren, was nach Ansicht vieler Ärzte eine routinemäßige Impfung rechtfertigt.
In der aktuellen Empfehlung der STIKO (08. Aug. 2003), die seit dem Infektionsschutzgesetz in Deutschland amtlich-verbindlichen Charakter hat, wird die Influenza-Impfung unverändert nur für Personen über 60 Jahre als Standard-Impfung (S) empfohlen. Für andere Personen in Deutschland ist die Influenza-Impfung durch die STIKO ausdrücklich nur bei Vorliegen einer "Indikation" empfohlen, z.B. bei Grundleiden oder Epidemie (I), oder bei "erhöhter Gefährdung" durch vermehrte Exposition (B/I).
Empfehlungen zur Influenza-Impfung an "alle, die nicht krank werden wollen", sind daher in Deutschland arzt- und haftungsrechtlich unbegründet. Dies gilt insbesondere bezüglich der Influenza-Impfung von Kindern ohne Grundleiden außerhalb von Epidemien: Bisher fehlen Langzeituntersuchungen zu Nebenwirkungen bereits im Kindesalter begonnener, jedes Jahr erneuerter Impfungen.
Nichtsdestotrotz haben Bund und Länder Anfang des Jahres angesichts einer weltweiten Grippe-Epidemie einen Notfallplan vorgelegt, der notwendige Schutzmaßnahmen , sowie Regelungen über Impfungen und die fachlichen Zuständigkeiten im Ernstfall enthält.
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